Anbietersuche: Der feine Unterschied

Anbietersuche: Der feine Unterschied

Woran erkennt man Top-Qualität? Daran, dass ein Anbieter schon seit 20 Jahren am Markt ist? Oder daran, dass er sich selbst einfach „Premium“-Anbieter nennt? Und was kann überhaupt schon so Schlimmes schiefgehen, wenn man aus Kostengründen einen Amateur beauftragt?  

In der Hochzeitsbranche gibt es mittlerweile ein Überangebot an Anbietern. Zum einen machen es die vielen freien Gewerbe einem leicht, sich auch ohne entsprechende Ausbildung selbständig zu machen. Zum anderen bieten manche Anbieter Zusatz-Services an, die gar nicht ihrem eigentlichen Geschäftsfeld entsprechen, um möglichst wenig Aufträge an dritte Anbieter abgeben zu müssen. Und bei den meisten schaut bei der Anbietersuche auf den ersten Blick alles super aus. Doch wie erkennt man den feinen Unterschied? Vier Profis in ihrem Métier erklären es euch.

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Kalligrafie

Schönes Schreiben ist eine Kunst, die jahrelange Übung voraussetzt. Wie eine Handschrift hängt auch der Schriftstil eines professionellen Kalligrafen vom Künstler selbst ab und kann von keinem anderen identisch imitiert werden. Karin Berger von Moderne Kalligrafie ist schon seit acht Jahren als Kalligrafin tätig und erklärt uns, was eine schöne Schrift ausmacht und weshalb dafür sehr viel Erfahrung nötig ist. Diese Dinge zeichnen ein professionell beschriftetes Werk aus:

1. Angemessene Textmenge
Als Kalligrafin und gelernte Grafikerin habe ich ein Auge dafür, wie viel Freiraum benötigt wird, um ein harmonisches Gesamtbild zu erzeugen. Weniger ist mehr!

2. Perfekte Ausrichtung
Wenn der Text sich optisch zu nah an einer Kante befindet, war meist kein Profi am Werk. Auch richtige Zeilen- und Zeichenabstände und eine einheitliche Schriftgröße sind sehr wichtig. Die Ausnahme bilden einzelne größere Worte, um diese in den Fokus zu setzen.

3. Harmonie
Eine Schrift muss harmonisch und gleichmäßig umgesetzt werden – eine Kombination zu vieler verschiedener Schriftstile wirkt störend und unruhig. Das Material des Untergrunds und die verwendeten Farben sollten sorgfältig ausgewählt werden.

4. Berücksichtigung des Standorts
Wird das Schild auf einem Stuhl oder einer Staffelei stehen, aufgehängt oder am Boden platziert? Je nach dem verändert sich die Sichthöhe und auch diese muss bei der Gestaltung berücksichtigt werden. Besonders bei Acrylschildern ist es wichtig, diese sinnvoll zu platzieren, z. B. vor einer begrünten Fläche. Eine Staffelei o. Ä. im Hintergrund erschwert hier die Lesbarkeit!

5. Freiraum für Dekoration
Meist kommt bei einem Schild vor Ort noch eine Blumendekoration zum Einsatz. Als Profi lasse ich hierfür schon beim Design selbst einen Freiraum, damit der Text später nicht von diesem Blumenschmuck überdeckt wird.

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Fotografie

Der Einstieg in die Fotografie ist heute ganz niederschwellig. Schnell kauft man sich eine Kamera und legt einfach los. Diese Entwicklung ermöglicht vielen kreativen Köpfen, sich selbst zu verwirklichen. Wenn es allerdings um die Fotos der eigenen Hochzeit geht, dann sind plötzlich ganz viel mehr Dinge als nur eine hübsche Webseite vom Profi gefordert. Berufsfotograf Matthias Rhomberg möchte euch ein paar Hinweise geben, wie ihr hinter die Fassade blicken und Fehlentscheidungen vermeiden könnt. Diese Anzeichen entpuppen jeden Amateur:

1. Der selbe Filter über alle Fotos hinweg
Filter, Looks und Effekte sind sehr angesagt auf Instagram & Co. Aber Vorsicht: Sie kaschieren oft auch mangelndes Können! Hochzeitsfotos müssen meiner Ansicht nach zeitlos sein und wir verzichten daher ganz bewusst auf kurzfristige Bearbeitungstrends. Denn wer weiß, ob einem dieser Look auch in 40 Jahren noch gefällt?

2. Keine tollen Reportagebilder und Momentaufnahmen vom ganzen Tag
Es ist eine Kunst, die echten Momente völlig natürlich einzufangen und in einer Bildsprache auf ein Foto zu bannen, welche Emotionen auslöst. Keinesfalls von einzelnen, beeindruckenden Landschaftsaufnahmen blenden lassen. Unbedingt auch mehrere ganze, echte Hochzeiten zeigen lassen! Kann der Fotograf auch mit schwierigen Lichtsituationen umgehen oder braucht er abends plötzlich einen Blitz, der die ganze Stimmung ruiniert? Sind die Menschen alle wunderbar getroffen oder haben sie oft einen unvorteilhaften Ausdruck? Finden sich ganz viele tolle Perspektiven oder heben sich Ideen auch nicht von den Handyfotos der Gäste ab?

3. Keine echten Hochzeiten im Portfolio
Gerne zeigen Fotografen nur Bilder von inszenierten Shootings. Die sehen ganz toll aus, denn das sind oft Models vor einer beeindruckenden Kulisse, fotografiert mit ganz viel Zeit beim besten Licht. Und wenn’s trotzdem nicht geklappt hat, zeigt man die Fotos einfach niemandem. Bei der Hochzeit hingegen sind keine Profimodels. Man kann sich auch nicht aussuchen, wie das Wetter wird. Die Location sieht genau so aus, wie sie eben ist. Man hat vielleicht eine Stunde Zeit gemeinsam mit dem Brautpaar und genau dann müssen die schönsten Fotos entstehen. Schaut also auch bei der echten Hochzeit darauf, ob der Fotograf dem Druck standhält.

4. Zu niedriger Preis
Kommt der Fotograf auch wirklich zu meiner Hochzeit? Hört auf euer Bauchgefühl, wie ernst der Fotograf seine Verantwortung nimmt. Auch ein zu niedriger Preis kann ein Hinweis darauf sein, dass die Zusage vielleicht nicht halten könnte. Wir haben schon wiederholt sehr kurzfristige Hochzeitsanfragen erhalten von Paaren, deren Fotograf dann doch lieber einen „cooleren“ Job angetreten hat, der sich in der Zwischenzeit ergab.

5. Keine ausreichende Verantwortung
Eure digitalen Hochzeitsfotos bergen unwiederbringliche Erinnerungen. Was ist, wenn die Kamera hinunterfällt? Oder der Reserveakku versehentlich auch leer ist?Fragt unbedingt nach der Datensicherheit: Was passiert, wenn die billige Speicherkarte kaputt geht? Wo sind die Rohdaten, wenn der Computer und die Festplatten gestohlen werden – oder gar das Haus brennt? Wer bei diesen Fragen ins Stottern kommt, nimmt seine Verantwortung dem Brautpaar gegenüber nicht ernst. Oder kennt sich eben gar nicht erst so genau damit aus wie ein Profi.

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Hochzeitstorte

Irmgard Marte („SchokoMus“) ist Konditormeisterin mit Auszeichnung und hat in ihrem Leben inzwischen schon über 1000 Hochzeitstorten hergestellt. Sie hält sich an eine ganze Reihe von gesetzlichen Vorschriften, die Laien nicht kennen und weiß genau, worauf geachtet werden muss. Seit es in Vorarlberg so viele Hobby-Konditoren gibt, die – meist illegal – Hochzeitstorten anbieten, wird sie oft verglichen und da kommt es leider auch vor, dass ihre Kompetenz nicht geschätzt wird, sie von Bräuten Deko-Tipps oder gar Rezepte aus der „Brigitte“ bekommt. Sie erklärt euch den wichtigen Unterschied zwischen professioneller Patîsserie und Hobby-Torten. Mit diesen Fragen lockt ihr Hobby-Konditoren aus der Reserve:

1. Wie schauts mit der Hygiene aus?
Hobby-Konditoren kreieren Torten meist bei sich zuhause in der Küche, deren Ausstattung in keinster Weise den strengen Hygienevorschriften entspricht. Im schlimmsten Fall kann diese Unverantwortlichkeit eine Epidemie auslösen!

2. Wird die Kühlkette eingehalten?
Wenn die Torte nicht durchgehend gekühlt geliefert werden kann oder stundenlang dekoriert wird, wird die Kühlkette unterbrochen – ein echtes No-Go!

3. Schon mal vom Lebensmittelgesetz gehört?
Es gibt nicht umsonst ein strenges Gesetz, das u. a. die Verwendung von Farb- und Zusatzstoffen regelt. Als Konditor darf ich manche Farben gar nicht verwenden oder es gibt strikte Dosierungsgrenzen – daher können wir manche Torten aus dem Internet auch nicht einfach 1:1 nachbacken.

4. Können wir unsere Torte vorab probieren?
In den meisten Fällen kann ein Hobby-Konditor keine Torte vorab zum Probieren anbieten. Dass dann oft trotzdem ein Auftrag vergeben wird – nur, weil der Preis passt, egal wie's schmeckt – ist für mich unglaublich.

5. Was kostet die Torte?
Ein klares Zeichen für Unprofessionalität ist ein zu niedriger Preis. Denn meist kalkulieren Hobby-Konditoren nur das Material sowie den Zeitaufwand für die Herstellung der Torte. Gespräche, Terminkoordination mit Location oder Catering und Lieferung hingegen werden entweder gar nicht oder nicht professionell durchgeführt.

6. Wir haben 200 Gäste. Machst du uns bitte eine 10-stöckige Torte?
Ein Profi weiß aus Erfahrung, was nicht funktioniert und sagt dann auch gerne mal Nein bzw. gibt Ratschläge für Optimierungen. So eine Torte würde ich niemals anbieten – ganz oft ist das Personal bei der Hochzeitslocation damit komplett überfordert. In dem Fall ist eine Torte in Kombination mit einem Buffet empfehlenswert, bei dem sich die Gäste bedienen können, während die Torte aufgeschnitten wird.

7. Klappt es auch wirklich?
Schon so oft wurde ich kurzfristig angefragt, weil dem Brautpaar eine Hobby-Konditorin abgesprungen ist. Das kann beim Profi nicht passieren – denn wenn die Bestellung fixiert und angezahlt ist, haftet dieser auch für seinen Teil des Deals.

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Papeterie

Natürlich spielen Kreativität und Sinn für Ästhetik hier eine große Rolle – und dies ist nichts, das man erlernen kann. Das richtige Programm downloaden und sich mit You-Tube-Tutorials selbst beibringen ist auch schon ein großer Schritt. Doch natürlich ist nicht jeder kreative Mensch mit InDesign auf dem Rechner gleich ein Designer. In ihrer Ausbildung zur Mediendesignerin hat Michelle Kreil u. a. sehr viele wichtige Gestaltungsregeln gelernt, die es ermöglichen, mühelos die Spreu vom Weizen zu trennen. Diese No-Gos enttarnen Hobby-Grafiker:

1. Zu viele verschiedene Schriftarten
Mind. zwei, max. drei verschiedene Schriftarten sind ideal – allerdings sollte nur eine davon besonders (verspielt, verschnörkelt etc.) sein und diese sollte nur vereinzelt und keinesfalls als Fließtext zum Einsatz kommen. Nur Profis haben ein Gefühl dafür, welche Schriftarten sich harmonisch miteinander kombinieren lassen.

2 Unharmonisches Schriftbild
Falsche Zeichen- und Zeilenabstände enttarnen sofort! Vor allem bei Schreibschriften hilft ein Profi immer händisch nach, um ein harmonisches Bild zu erzeugen. Bei Schreibschriften aus dem Internet ist optisch meist ein viel zu großer Abstand zwischen dem großen Anfangs- und dem darauf folgenden Buchstaben. So wird schnell aus einem "Willkommen" ein "W  illkommen". Ohne die richtigen Programme oder typografisches Know-how ist die perfekte Anpassung der Abstände nicht möglich.

3. No-Go- oder Standardschriftarten
Dass bei der riesigen Auswahl an wundervollen Schriftarten, die mittlerweile (von jedem) online erworben werden können, tatsächlich noch Arial, Comic Sans, Zapfino & Co auf Hochzeitspapeterie verwendet werden, ist für mich absolut unverständlich. Oft werden aber auch minderwertige Schriftarten aus dem Internet verwendet, die nicht einmal Ü-Pünktchen usw. enthalten – ein Profi fügt hier die Pünktchen manuell hinzu, während sie beim Laien-Design einfach fehlen oder ein unschönes "ue" daraus gemacht wird.

4. Zu wenig Weißraum
Weniger ist mehr! Wenn Textzeilen bis knapp zum Rand reichen und jeglicher Freiraum mit Objekten oder Bildern vollgestopft wird, ist das alles andere als ästhetisch.

5. Fließtext in Versalien
Es ist furchtbar anstrengend für den Leser, wenn ein gesamter Textblock in Großbuchstaben geschrieben wird. Leider schon sehr oft so gesehen.

6. 1:1 Bildwiederholung
Blümchenillustrationen aus dem Internet werden auch von Profi-Designern verwendet. Wenn allerdings Laien eine Illustration mehrfach auf einer Karte platzieren, ist genau erkennbar, dass es immer wieder ein und dasselbe Bild ist. Ein Profi fügt ein sich wiederholendes Motiv so ein, dass es nicht wie ein sich wiederholendes Motiv wirkt. Ich drehe und spiegle ein Bild dann nicht nur, sondern passe es händisch so an, dass sich das Arrangement der Blümchen klar vom erstplatzierten Motiv unterscheidet.

7. Billiges Papier, unprofessioneller Druck
Spätestens bei 90g-Papier und einer Karte, die ausschaut, als hätte man sie zuhause auch selber ausdrucken, zuschneiden und zusammenkleben können, sollten die Alarmglocken läuten. Nur professionelle Maschinen können mit starkem (= dickem) Papier umgehen, absolut scharf drucken und perfekt schneiden – und das ist für hochwertige Papeterie absolut essentiell!

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